Hartmut Pfeuffer

ÜBER DIE MALEREI VON HARTMUT PFEUFFER

Hartmut Pfeuffer malt Landschaften - weiträumige, menschenleere Räume fernab bewohnter Landstriche. Seine Motive findet er in der Sahara, die er seit Beginn der 90er Jahre bereist. Dort zeichnet und fotografiert er. Seine Studien bilden den Ausgangspunkt für großformatige Bildentwürfe, die im Höchstädter Atelier entstehen. Während des Malprozesses verlieren seine Vorarbeiten zusehends an Bedeutung. Zufälliges, Verunklärendes, ihm unwichtig erscheinende Details werden herausgefiltert, die Vorlage stark abstrahiert. Die Komposition nähert sich allmählich Pfeuffers Vorstellung vom Bild als einer Fläche, die als spannungsreiches und kompaktes Gefüge von Körper und Raum existiert, nahezu unabhängig vom ursprünglichen Vorbild.
Die ruhig und klar angelegten Landschaften sind nicht zeitgebunden. Konzentrierte Betrachtung wird dazu führen, über das Tägliche hinaus zu denken, sich Zeiträume vorzustellen, in denen es noch keine Menschen gab oder nicht mehr geben wird. Wir sehen, was bleibt: Felsen, Steine, Sand, vom Wind in Jahrmillionen geschliffen, abgerundet, durch Witterungsschwankungen zerborsten.
Was liegt hinter den schimmernden Körpern aus Stein? Über dem Horizont erstreckt sich ein blauer, ungetrübter Himmel. Die Bildfläche scheint von Licht durchtränkt zu sein, dessen Quelle nie zu sehen, aber immer spürbar ist.
Seit einigen Jahren setzt sich Pfeuffer auch mit der einfachen Lehmarchitektur der Sahara-Region auseinander, deren klare, kubische Formen und lebendige, handbearbeitete Oberfläche sich auf einzigartige Weise in die Landschaft fügen.
Intensive, andauernde Begegnung mit der Natur ist Voraussetzung für Pfeuffers Malerei. Absolute Stille, die er in der Sahara erlebt, überträgt sich auf den Betrachter, der sich Zeit nimmt, die Bilder auf sich wirken zu lassen.
Pfeuffers Malerei existiert neben den heute aktuellen Strömungen, hat jedoch nichts Epigonenhaftes. Eigenständig und konsequent hat er eine streng kontemplative, dabei hoch sensible malerische Ausdrucksweise entwickelt, die ihn als zeitgenössischen Künstler nicht zeitgebundener Motive ausweist.
Inge Puntigam, Autorin, Graz


Auszug aus der Rede zur Eröffnung der Ausstellung ‚Sand und Steine’ von Hartmut Pfeuffer am 1. 10. 2004 in der Toskanischen Säulenhalle des Zeughauses, Augsburg:

Die Bilder Hartmut Pfeuffers wirken extrem ungewöhnlich im Kontext der heutigen Malerei. Ungewöhnlich vom Thema her – wer malt schon Wüstenlandschaften – , ungewöhnlich in ihrer Größe, Sorgfalt und Gegenständlichkeit. Obwohl die Größe der Landschaften, die überaus genauen, aber sanften, wie atmenden Übergänge der Farben von Hell zu Dunkel auf großen Flächen etwas anderes vermuten lassen, sind die Bilder in altmeisterlicher Technik in Öl mit Pinseln von geringer Breite gemalt. Erst wenn Sie aus der für diese Riesenformate angemessenen Entfernung nahe vor das Bild treten, werden Ihnen Art, Aufwand und Wirkung der Malerei klar werden: Wie ein Gewebe liegen, in mühevoller Arbeit aufgesetzt, erhaben, plastisch und leicht gewölbt unzählige kleine Pinselstriche, Pinseltupfer auf der Leinwand, die allmähliche, kaum merkliche Farbnuancierungen schaffen.
Diese malerische Technik aus der Nähe betrachtet, erklärt die Wirkung der Authentizität, die die Bilder aus der Ferne ausstrahlen. Durch den tupfenden Farbauftrag erhält die ganze Bildfläche eine matte Textur ohne jede Glätte, die, zumal sie aus mehreren übereinander liegenden Farbschichten besteht, gleichsam aus der Tiefe strahlt, und die Tausende von Pinselstrukturen erscheinen in ihrer Körnigkeit aus der Nähe vor den Originalen wie natürliche Strukturen des Sandes, der Steine und Felsen. Überhaupt ist die Betrachtung aus der Nähe fast unerlässlich, um die großartige Wirkung der Landschaften von Weitem in voller Stärke genießen zu können…
Monumente der Natur beherrschen Pfeuffers Bilder: Felsen verwittert von Wind und Klimaveränderungen in bizarren Köpfen, Berge, deren ebenmäßige Gestalt wie erbaut scheint oder einfach Landschaften von atemberaubender Schönheit, Weite und Ausdruckskraft…
Gode Krämer, Kunsthistoriker, Augsburg


Auszug aus einer Schrift zur Ausstellung: ‚Ruhigere Zeiten’ , Hartmut Pfeuffer und Alf Setzer, 2003, im Künstlerhaus Marktoberdorf:

…Hartmut Pfeuffer hat die Langsamkeit radikalisiert. In Öl auf Leinwand entfalten sich seine Wüstenpanoramen auf Formaten bis zu fünf Metern Breite, in monatelanger Arbeit mit kleinen Pinseln eher getupft als gemalt. Während die Bilder mit ihren sanften Übergängen und der atmosphärisch austarierten Farbigkeit in Blau und Ocker aus der Weite fast fotografisch glatt wirken, entwickeln sie aus der Nähe körperhafte Präsenz. Das dichte Punktenetz, das monumentale Felsformationen und menschenleere Horizonte gleichermaßen überzieht, duldet keine spontanen Eingriffe. Pfeuffer betont mit seiner Technik keine Verlebendigung der Wüste, er entrückt sie.
Wie der Sand die Aktualitäten einebnet und vergangen macht bleibt der Maler auf Distanz zum Dargestellten...
Die anfängliche Faszination durch das Motiv mag einer Spannung weichen, die Wüste und Sand hinter sich lässt und sich aus dem bloßen Aushalten der Existenz in Anbetracht von Raum und Zeit ergibt.
Birgit Höppl, Kunsthistorikerin, Neu-Ulm


Auszug aus einem Bericht der Augsburger Allgemeinen über die Ausstellung im Schloss Wertingen, 2000:

Ideallandschaften wie Stillleben – die Wahl des Sujets ‚Extremlandschaft’ und deren zunehmende Klärung zu Urformen wie Kreis, Kreuz und Gerade erhöht die gebauten Ideallandschaften, die fast Stillleben sind, zu quasi-religiösen Votivtafeln. Hartmut Pfeuffer kann getrost behaupten, dass er seine Bilder durchleidet. Nicht mit Ungestüm, expressiv und impulsiv, sondern eher in der Haltung anonymer Künstler des Mittelalters, die ihre oftmals jahrzehntelange, zermürbende und disziplinierte Kunstausübung wie ein einziges Gebet zelebrierten.
Ulrike Knoefeldt-Trost, Kunsthistorikerin, Bobingen